Die Lehmhäuser

Auf dem Gelände des Wangeliner Gartens und der Europäischen Bildungsstätte für Lehmbau entstand ein Ensemble einzigartiger experimenteller Lehm- und Strohballen-Häuser.

Stroh, Lehm und Schilf sind die Hauptbestandteile aller hier entstehenden Bauten. Das Besondere dieser Häuser ist neben ihrer konsequent ökologischen Bauweise ihre mannigfaltige Gestaltung: farbige Lehm- und Kalkputze, Sgraffiti, Modellierungen mit Lehm und Kalk sowie Terrazzo- und Ziegelböden.


Das Lehmhaus mit mit Eingang zum Wangeliner Garten

Lehmhaus

Das erste Haus am Wangeliner Garten hat den prägenden Ton für alles Weitere angeschlagen – eine Mischung aus Gebrauchtem und Naturbaustoffen: das Anlehngewächshaus aus LPG-Beständen, die Stampflehmwände aus örtlichem Geschiebelehm, die Wände gut gedämmt mit Zellulose aus Altpapier, das Gründach mit Trockenrasen aus dem nahegelegenen Naturschutzgebiet.


Aussenansicht des Gartencafés mit Grasdach. Gartentische und Stühle stehen davor.

Gartencafé

Das Café, ein Ort der Kuchenschwemme und des einfachen Essens. Tische und Stühle stehen unter den Bäumen, an den Wänden schaukeln riesige Schmetterlinge. Der große achteckige Raum innen wird überspannt von einem Hogan-Dach im Stil der Navajo-Indianer. Der Boden spiegelt das Achteck, flirrt in unaufdringlicher Lebendigkeit. Das Haus ist ein einfacher Holzständerbau, an die Wände sind von außen Strohballen vorgebunden, außen und innen sind sie mit Lehm verputzt, passend zum riesigen Lehmgrundofen.


Das Gästehaus am Wangeliner Garten

Strohballentonnen

Ein Gewölbe aus konisch zugeschnittenen Strohballen, ein Gewölbe, wie die Bögen von Gaudi im fernen Barcelona – so reihen sich unsere Tonnen wie eine Perlenkette aneinander. Entstanden sind sie 2011 in einem internationalen Baustellenkurs mit dem Lehmprofessor Gernot Minke. Die fünf Strohballentonnen sind Beispiel für ein kostengünstiges, nachhaltiges Bauen mit Naturbaustoffen. Farbige Lehmputze, Stampflehmböden und wuchtige Betten aus alten Webstühlen runden dies kleine Paradies ab.


Gärtnerinnenhaus

Die auffällige Form des Gärtnerinnenhauses ergab sich aus dem Wunsch, unter der Verlängerung des Daches einen Erdkeller zu bauen – dies ist noch nicht umgesetzt. Alle sechs Seiten des aufgeständerten Hauses sind mit Ballen gedämmt: Je zwei Ballen werden dabei zwischen das Ständerwerk eingeklappt und zusätzlich in der Höhe komprimiert.
Anschließend wurde innen und außen mit Lehm
verputzt.


Ansicht des Lehmklosters

Lehmkloster

Schmale, einschläfrige Betten, die Küche breit und behäbig wie eine Mama – so ist unser „Kloster“. Ganz früher war in diesen Mauern der Dorf-Stellmacher tätig. Als wir kamen, standen nur noch die Außenmauern. Fenster, Türen, selbst das Dach – alles wurde wiederverwertet. An die alten Mauern wurden außen Strohballen gebunden. Durch die Flaschenisolierung des Bodens und den Holzgrundofen ist die Atmosphäre hier sehr heimelig.


Die Küche im Steenshaus mit farbigem Lehmputz.

Steenshaus

Das Steens Haus wurde von Bill und Athena Steen in amerikanischer, lasttragender Strohballenbauweise gebaut: je ein Ringbalken oben und unten, zwischen die Strohballen wie Mauersteine verlegt sind. Im Anschluss wird die Wand mit LKW-Gurten komprimiert. Diese Verdichtung wird dauerhaft mit Gewindestangen gehalten, die Wand beidseitig mit sehr faserhaltigem Lehm verputzt. Der sehr auffällige Lehmputz innen wurde in einem Seminar afrikanischen Vorbildern nachempfunden. Da lasttragender Strohballenbau in Deutschland nicht genehmigt wird (siehe www. fasba.de), wurden nachträglich Holzständer in die Wand eingebaut.


Blick in die offene Sommerküche mit Stampflehmwänden und gedecktem Tisch im Vordrgrund.

Sommerküche

Eine Küche zwischen Pfadfinder Romantik und erster Selbständigkeit, gerahmt von Wänden aus gestampfter Erde. Eine Gartenidylle, die geerdet ist. – Bon apetit!


Badehaus

Knallbunte Türen zu den Toiletten, Duschen aus zwei Meter langen Abschnitten riesiger aufgeschnittener Entwässerungsrohre, Stampflehmwände und oben drauf Sonnenkollektoren – das alles auf einem stabilen Terrazzoboden, gebaut von jungen Teilnehmer*innen eines Workshops.

Texte von Burkard Rüger.

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